Ich rufe mir also nochmal vor Augen: Wir haben in der ersten Aprilwoche mit dem entspannten Osterfeiertagseinstieg das Sommersemester 2010 begonnen (06.04.2010). Grundsätzlich, verrät ein Blick auf den Semesterzeitplan, ist Veranstaltungsschluss am 30.07.2010.
Rein rechnerisch ist das natürlich schon sehr knapp. Ein weiterer Blick sollte mir dann allerdings vor Augen führen, dass der Prüfungszeitraum, von nicht weniger als 3 Wochen, bereits in diese Zeit integriert ist. So steht dort ausdrücklich, dass von 02.08. bis 31.08.2010 die veranstaltungsfreie Zeit für uns eingeräumt wurde. Da zwitschert es wieder, das kleine Vögelchen mit dem Namen "Prüfungspanik".
Im Umkehrschluss bedeutet das, dass das Semester fast schon vorbei ist, bis ich es geschafft habe im StudiVZ ganz kleinkariert meine Vorlesungsveranstaltungen einzutragen. Nicht nur dass es dermaßen umständlich ist, der einzige Grund, warum Menschen diese Veranstaltungen dort eintragen ist folgender. StudiVZ wurde überschwemmt von Nicht-Studenten. Und selbst mit der Einführung von MeinVZ, gibt es noch genug Dumpfbacken, die sich immernoch als Studenten deklarieren und mit ihren Porno-Ralle- und Glitzer-Blinki-Cindy-Profilen meine Startseite versäuchen. Jedenfalls sollen meine ehemaligen Grundschulkameraden NATÜRLICH wissen, dass ICH tatsächlich studiere! Und wie toll diese Kurse auch immer klingen. Ich könnte wetten, dass kaum jemand tatsächlich alle Veranstaltungen dort virtuell auch tatsächlich belegt. Alles was billig klingt, wird kurzerhand weggelassen. Außerdem kann man sich dann die ganzen Milchgesichter auch nochmal anschauen, die einem jede Woche in den Nacken starren.
Aber zurück zum Thema. Es ist Donnerstag-Abend. Die Woche ist damit rum. Wären dann ab nächster Woche gesehen 8 Wochen mit prüfungsrelevanten Inhalten und eine Woche Prüfungsvorbereitung zu der in der Regel nur noch Fragen beantwortet werden. Während dieser 8 Wochen ist eine Woche Projektwoche, zu der ich sage und schreibe 1 Projekt von 6 Stunden Dauer mit meinem unschätzbarem Wissen bereichern kann. Außerdem wäre da noch Himmelfahrt, Pfingstmontag und ein Sommerfest Mitte Juni, was meine Ausführungen nur noch abrundet.
Werden die Semester immer kürzer? War ich die ersten Semester dermaßen besoffen und/oder verschlafen, dass ich es einfach nicht gemerkt habe? Und dann diese 4 Wochen Ferien. Ich meine es ernst wenn ich sage: "Ich will Praxiserfahrung sammeln." Wie wenn nicht in den Semesterferien? Wer nimmt bitte heutzutage noch Praktikanten unter 3 Monaten. Mir wurde das Glück zuteil, dass ich in einem so kurzen Zeitraum von 4 Wochen tatsächlich jemanden gefunden habe, der bereit ist, mich 4 Wochen lang in die Welt der Praxis zu entführen und mir die Theorie-Binde vor den Augen zu entfernen gewillt ist.
Natürlich bin ich ein Mensch der sich gerne aufregt und liebend gern in etwas hereinsteigert. Nicht umsonst sprach ich oben von meinem kleinen Vögelchen "Prüfungspanik". Ich nenne es nicht Angst, weil ich grundsätzlich keine Angst vor Prüfungen habe. Jedenfalls nicht so, wie man sich das zunächst vorstellt. Das optimale Mittel gegen Prüfungsangst ist nicht Ritalin, Baldrian oder sonstige Experimente. Am besten ist es zu lernen. Und da haben wir das größte Problem. Ich kann nicht lernen. Nicht dass ich es verlernt hätte. Nein, ich habe nie damit angefangen. Ich bin jetzt im 6. Semester und es ist eine Schande, dass ich sowas gestehen muss. Soweit ich mich erinnere, habe ich im letzten Semester einmal so richtig gelernt. Ganze 2 Tage. Also so richtig mit Merken beim Lesen. Natürlich hat man gleich ein völlig falsches Bild von mir. Sicher habe ich mich bemüht, habe Literaturvorschläge wahrgenommen, gar Bücher ausgearbeitet. Und ich kann mit Stolz behaupten ein Talent zu haben. So kann ich mich stundenlang mit Rechtstexten befassen, ohne dass auch nur etwas außer der Nummer des Paragraphen hängen bleibt. Natürlich nur, weil ich ein extremer Mensch bin und versuche 3 Tage vor Prüfungen mir das gesamte Werk der jeweiligen Rechtswissenschaft reinzuprügeln. Ja, das ist reichlich spät. Jetzt tue ich so als würde ich mich schämen und denke mir im Stillen, dass es die vorhergehenden Semester genau so ja doch geklappt hat. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel. Ich muss lachen. Nun habe ich selbst den Fehler aufgedeckt. Ich gebe es auf. Ich kann niemanden davon überzeugen tatsächlich effektiv zu lernen. Aber ich bin guter Dinge, dass ich noch innerhalb der Regelstudienzeit den Diplomgrad erlangen werde, ohne Mind Maps zu malen.
Alles in allem: Ein Semester ist verdammt kurz und gibt einem auch grundsätzlich erstmal gar nicht die Möglichkeit sich effektiv auf JEDES Fach vorzubereiten. Nicht einschließlich der Vertiefungsrichtungen und schon gar nicht einschließlich eventuell anfallender Wiederholungsklausuren.






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