...
Alles sieht mich entfremdet an.
Wenn
ich nicht genau wüsste, dass ich mich mit denen schon unterhalten habe,
würd ich meinen, dass die überhaupt kein Deutsch sprechen.
Moooooment.... ich habe erst gefragt "Noch auf?!" dann einmal "Pizza" und "Radler" geantwortet...

Ich
bleib an dem Gedanken hängen und verkleister in meinem Schädel
unglaublich viele kleine bunte Bilder von innen an meine Schädelwand
und streiche die bildgewordenen Schauplätze der letzten viertel Stunde
sanft mit der Tapezierrole fest.
Hach, ist das schön.... *träum*
.................................................
Verdammte Tagträumerei!
Immer das Selbe... Wo bin ich?

AHHHHHHHH DÖNER....IHHHHH OFFENBURG.... WÄÄÄÄHHHH KOFFER
Während ich mich sammel und gedankenverloren mit glasigen Augen von meiner Pizza abbeiße, rettet Goldzahn die Lage.
Er ist der Held der Sekunde, in der Hand sein Schwert, was er sabbert im Kampfe schwingt- Den Telefonaparillo.

Nun gut, sein Gegner schwächelt zuweilen
weder eine tickende Kampfansage, noch ein Lusttropfen der Explosion....
nicht mal die schüttelnden Schreihälse, die an allen Enden des Koffers
zerren und zetern, vermögen
den Feind ausreichend provozieren und die Ruhe vor dem Sturm brechen.
Ich bin durcheinander.
Können die nicht ruhig sein, ich will essen... denke ich bei mir.
Selbst im Gefängnis bekommt man vor der Hinrichtung noch eine Henkersmahl- warum ich nicht, im Döner, in Offenburg
Gut, wenn ich es mir recht überlege, hätte ich mit meinem gegenwärtigen Wissen vor 20 Minuten sicherlich was anderes angefangen.
Sicher hätte ich rotzfrech einfach doch einen Döner gegessen..... HAHA.....Volltreffer
Naja, ich gebe an dieser Stelle zu, dass ich Döner mit der Gabel esse und meistens das Brot übrig lasse- vorzugsweise im Sitzen.
Mist... aber wenn Putzi einfach ein bissel schneller gewesen wäre, hätte ich freie Platzwahl und ein reines Gewissen gehabt.

Ich höre mich "EEEEEEYYYYYYYYYYYYY!!! Jetzt überlegt doch mal!!!" schreien.
Putzi wird bleich ----> lässt Koffer los ---> geht Putzen
Goldzahns rechte Augenbraue zuckt ----> lässt Koffer los ----> geht Polieren
Der Pizzatyp steht da allein mit dem Koffer.
Pizzatyp erschreckt sich ----> lässt Koffer fallen ----> rennt in den Nassbereich
Die Erschütterung des Aufpralls lässt meine Nackenhaare aufstehen.
Der Koffer lehnt herrenlos mit siegessicherer Miene am Nachbartisch.
Jetzt gibt es nur noch uns beide.
Mir ist heiß.

Ein
Bild von mir, wie ich gerade meine Ärmel hochkrempel, flattert auf den
Stapel noch nicht verkleisterter Eindrucksabbilder neben die
Tapezierrolle.
Ich verliere vor lauter Aufregung schon
wieder den Faden zum eigenen Tagtraum und versaue damit meine
wenigstens imaginäre heldenhafte Saga mit Lorbeerkranz im Haar , in der
ich, den Koffer geschultert, aus dem Falaffelkonsum renne und den
Koffer .... tja... wohin bring ich den Koffer nur....
Genau daran bastel ich in meinem Phantasiekonstruktum, just in dieser prikären Lage.
Währenddessen macht sich eine andere Vorstellung breit.
Die
Polizei sollte jeden Moment da sein und ich sehe sie schon vor mir:
Eine ganze Hundertschaft an jungen strammen Einsatzkräften mit Waden-
made of steal, ein Entschärfungskomando mit den speziellsten aller
speziellen Spezialisten und ein gutaussehnder Psychologe Schrägstrich
Physiologe Schlägstrich Masseur, denn diese gedrehte Körperhaltung
Richtung Koffer ist mittlerweile verdammt anstrengend.
Derweil
sich das ganze Geschehen in meinem Kopf abspielt und ich mit meinen
Pizzafettfingern einen Lageplan auf den Tisch schmiere, treten 2
Polizeibeamte vom Dienst hinein und schauen gewichtig in die Runde.
Betretenes Schweigen...
"Wir
sind bezüglich des Koffers hier!" (Natürlich haben sie den Dativ
verwendet, aber ich dachte ich änder das mal lieber ab, denn ich
Offenburg hat man unter anderem auch die deutsche Sprache nie richtig
erklärt bekommen.
)Plötzlich ging alles ganz schnell, die routinierten 2 (
) schüttelten ebenfalls schlaftrunken den Koffer und versuchten sich an dem Schloss.Ich folgte perplex dem gesamten Geschehen.
Der Koffer wurde einkassiert, unter den Arm geklemmt und ab dafür.
Wofür die ganze Aufregung und wo ist das Sondereinsatzkommando?
Er ist weg und auf einmal ist alles so, als wäre nichts gewesen.
Wortlos verabschiedet und gefühlvoll das Gepäckstück bearbeitet.
Das kann doch jetzt nicht alles gewesen sein, fällt mir in den Sinn während ich ferngesteuert die Pizza vertilge.
In meinem Hirn ein Szenario einer Verfolgungsjagd. Ich muss wissen, was es mit dem Koffer auf sich hat.
Herrje... die Zeit ist um, in 15 Minuten geht mein Zug.
Ich
trinke aus, bezahle, verabschiede mich freundlich unter Nichtbeachtung,
wechsel die Straßenseite, rauche eine und schlender zu meinem Gleis.
Es fühlt sich an wie geträumt, wäre da nicht immernoch mein Herzklopfen in der Brust.
Offenburg Ende
Sollte
sich jmd für einen etwas langweiligeren Bericht über die 2 hrs
Aufenthalt in Frankfurt interessieren, bin ich gewillt meinen konfusen
Zwischenspeicher nachträglich in schriftlicher Art und Weise zu
durchforsten.

