Diesmal war es nicht "Die Bahn", die es wert wäre für meine etwas verqueren Erlebnisse zur Verantwortung gezogen zu werden.
NEEEEEEEEIN...In diesem Falle war ich gaaaanz allein schuld.

Diese Zugverbindung war grauenvoll.
Normalerweise braucht man für Strecke Konstanz ---> Magdeburg bestenfalls 8,5 hrs.
Ein paar mal umsteigen, aber sonst ist alles chillig.
Aber nicht so dieses Mal....
Madame will sparen

Von dem her besinnt sie sich gute zwei Monate im Voraus, die Fahrt wie gewohnt im Dauerspezial der Bahn zu buchen.
Wäre an dieser Stelle nichts Neues, aber HALT!... Man mags nicht glauben, aber zwei Monate waren wohl deutlich zu knapp.
Im
Nachhinein gesehen wäre es günstiger und stressfreier gewesen, wenn ich
einfach die gewohnte Tour gewählt hätte und aber statt 29 Euro eben 39
oder 49 Euro gezahlt hätte.
So buchte ich also die dämlichste Tour meines Lebens (*auf Holz klopf*).
Statt der üblichen 8,5 hrs, die ich auch für den Hinweg brauchte, fuhr ich dann eben 12,5 hrs.
Denkbar wäre in diesem Kontext vllt, dass ich so noch viel mehr Landschaft begutachten konnte als in 8,5 hrs- fälschlicherweise.
Ich
sollte dazu sagen/ schreiben- ach immer dieses Durcheinander, ich
sollte stattdessen lieber "denken" schreiben, damit sich der Dritte
freut!
(

also nochmal der Satz

)
Ich denke mir dazu lieber, dass ich ja 20:38 Uhr in Konstanz erst losgefahren bin.
Nicht mal den Bodensee habe ich somit bei der Ausfahrt gesehen.

Ganze
2 Stunden hatte ich im toten Offenburg Aufenthalt ( ich geb zu, es
waren nicht ganz 2 , sondern von 23:00 Uhr bis 0:49 Uhr) und nochmal 2
Stunden in Frankfurt ( 03:08 Uhr bis 05:04 Uhr ... gut auch nicht ganz
2

).
In eindrucksvollen Gesprächen in geselliger Bierrunde hatte ich mich im Vorfeld bei Ortskundigen erkundigt am Monatg Abend.
Was
ich danach wusste, war dass man in Bochum zum 30. Geburtstag als
Single- Mann auch fegen muss und in Konstanz dieser Brauch völlig
unbekannt war.
Hach ja die Schwaben- manchmal sind die ja süß.

Achja nochwas... irgendwas wurde doch von einem Döner gesagt.

Naja egal... ich wollte ja was Trinken und nichts Essen.
Ich trat also völlig entspannt und guter Hoffnung meine Fahrt in Konstanz an ( 20:38 Uhr, für Vergessliche

).
Ein Gruß und ein Winken später war ich 10 Minuten vor Offenburg.
Panik überkam mich.
Ich war planlos und in meinem Hirn war nur das Fegen zum 30. Geburtstag und die damit verbundene Angst mal fegen zu müssen.
Achnee, nur für Männer dachte ich noch so und zückte mein Telefon.
Mal wieder musste die gute
Ulli her.
Erwähnenswert
an dieser Stelle, dass mir die meinerseits ernannte "Kleene, aber
Größte", bereits im März eine Lokalität in Karlsruhe für 3 Stunden
Nachtaufenthalt suchen musste, als ich auf dem Weg nach Freiburg war.
So
ergab es sich, dass ich eine liebe kleine SMS mit folgender Botschaft
erhielt: "Wenn du ausm BH nach links die "Hauptstr." ca 400 m gehst,
kommen da ne ganze Menge. Lass dich nicht von Fremden anquatschen...".
Das las ich, wärend ich gerade einer fremden jungen Frau eine Zigarette drehte und mich mit ihr unterhielt.

"Naja is juht" (™ Clemi und Schnatti) dachte ich und machte mich auf.
Hmmm.... doof, wenn man das Schicksal vergisst, dass sich einen Spaß daraus macht, gerade nachts Arschtritte zu verteilen.
Nachts, wo alle schlafen und es im Grunde eigentlich nur mich treffen kann...

Das Trageband meiner Reisetasche riss samt Einhängung an einer Seite aus.
Wäre
ja schlimm genug, wenn sich das nicht mit einem ironischen Pfeifen im
Einklang mit dem Aufprall meiner Tasche auf dem Bord vollzogen hätte.
Völlig
routiniert zog ich also meine eingebaute Bügelvorrichtung aus der
Unterseite meiner Reisetasche während ich milde die Schaulustigen
anlächelte und innerlich mit Flüchen um mich warf und mich in Gedanken
schon Voodoo- Puppen basteln sah auf der Weiterfahrt.
Ich
zog also meinen Koffer diese "Hauptstraße" hinunter, blieb immer mal im
groben Kopfsteinpflaster stecken mit den kleinen Räderchen an meinem
Koffer und grummelte innerlich über das Gewicht meines Rucksackes, in
dem sich ja auch noch Laptop etc. befand.
Derweil ging ich an einer Spielothek vorbei und mehreren geschlossenen Kneipen.
Da sah ich beleuchtete Fenster.... (

liest sich, als würd ich ein Weihnachtsmärchen erzählen) ... irgendwas mit Hof im Namen, den Rest hab ich vergessen.
Schon als ich hineintrat, lagen auf mir ca. 9 Augenpaare und ich könnte schwören, dass jmd sogar kurz die Musik ausgestellt hat.
Gut,
wenn es an dem gewesen wäre, würde sich mir vielleicht erschließen,
wieso ich den Laden betreten hatte, denn die musikalische Untermalung
entpuppte sich als Ü50- Party- nur ohne Tanz.
Ich
fragte also nach der Schließzeit und bestellte dann ein großes Alster
(nagut, Radler.... Alster kannten die nich), weil ich unbekanntes Bier
lieber nie pur probiere.
Wie ich so in Gedanken
versank, mit dem linken Auge die Wanduhr und mit dem rechten Auge den
Tresen nebst seiner witzigen Gestalten fokusierte und mein
Biermixgetränk einverhalf, schenkte ich der Musik und deren Anklang
meine Aufmerksamkeit.
Es lief Aqua mit "Barbie Girl"...

Die wabbelnde Menge war außer sich.
6 gealterte Männer quakten den Text in Nutzung nicht vorhandener Kenntnisse der englischen Sprache vor sich hin.
Ich musste sterben- Ich zog die Toilette vor.
Da verbrachte ich die Zeit bis zum nächsten Liedwechsel.
Es sollte aber nicht besser werden, denn es folgte sogleich mit modernem Einblendverfahren Whigfield mit "Saturday Night".
Ich versteifte in meinem Schockzustand, drehte mir zitternder Hand eine Kippe und trank mein ALSTER.
Es dauerte noch Mr. President, Real 2 Real und 2 Unlimited, bis ich den letzten Schluck nahm.
Als
Michael Jackson ertönte, besann ich mich der Redensart "Wenn's am
Schönsten ist, sollte man gehen", zahlte rasch und suchte das Weite.
(ein paar Sachen von Michael Jackson find ich übrigens ganz gut

)
Ich ging also den ganzen Weg zurück zu dem mir bekannten Döner gleich vor dem Bahnhof.
Während ich mein Ziehdings vom Koffer vor der kleinen Treppe vor dem Eingang des Döners einklappte, kam mir ein Mann entgegen.
Er trug einen Turban, ein langes weißes Gewand und einen Bart mit sich spazieren.
Araber oder Afghane... woran auch immer ich das optischen festmachen könnte.
Konnte ich nicht, also weiter- Ich betrat den Laden.
Dort war man schon ziemlich am werkeln, um den Feierabend einzuleiten.
Alles war am Putzen und die ersten Stühle waren bereits hochgestellt.
Meine einzige Hoffnung war ein Mann Mitte 50, der gemütlich sein Pils zischte am entfernten Barbereich.
Sicherheitshalber
entschied ich mich für eine Pizza, um nicht kurz vor dem Ziel den
Unmut der Ladenbesitzer auf mich zu ziehen, nachdem sie mir nur mit
Wimpernklimpern meine Frage nach Essen bejahten.
Während der Kollege vom Barbereich rüberbrüllte, ob ich was trinken möchte, weil er sonst Schankschluss ausruft.
Ich brülle Alster zurück und verbesser mich direkt mit Radler um endlich einen goldenen Zahn aus der Ferne blitzen zu sehen.
Was wohl soviel heißt wie "Kommt sofort" oder "Schööööön..."- für Magdeburger Bingöl Fans.
Ich stehe erstmal noch ne weile doof rum und dann schau ich durch die Gegend.
Mit
Absicht wähle ich den einzigen Tisch, der noch nicht abgeräumt ist, um
nicht extra einen sauberen zu beschmutzen, denn die gute Dame (in
meinem Hirn hab ich Sie die ganze Zeit Putzi genannt) funkelt mir schon
arg böse zu, mit ihrem Scheuerlappen in der Rechten.
Den
Koffer voran gehe ich zu dieser Sitzbank und will gerade meinen Koffer
abstellen, als ich plötzlich sehe, dass dort schon einer steht.
Ich rufe Goldzahn zu, dass da jmd wohl seinen Koffer stehen lassen hat.
Wie die Ameisen kommen sie angerannt....
Goldzahn
kracht mein ALSTER auf den Tisch und sein Kumpel vonner Futtertheke
kommt mit der Pizza und wirft sie mir halb vor den Latz.
Zufrieden beiße ich in mein erstes Stück Pizza, während wildes türkisches Gemurmel und Gezeter am Nebentisch entsteht.
Mit
vollem Mund und kauend drehe ich mich um und sehe das verwürfelte
Konstrukt aus Koffer und verschiedenen Armen, die an jenem ziehen, als
der gute Mitfünfziger von drüben am Schanktresen lautstark lallt:
"Ey.. das is doch der Koffer von dem Albaner vorhin!"...

Mir bleibt mein erstes Stück Pizza direkt im Hals stecken und ich merke, wie mein Herz pocht.
Derweil
ich noch aufkaue, stellen die Konsorten neben mir fest, dass die
Reißverschlüsse des Koffers durch ein kleines Schloss verbunden sind
und sich das Teil nicht öffnen lässt.
Endlich den Mund leer brülle ich.... "EYYYYY".... man beachtet mich nicht.
Die menschliche Masse um den Koffer brabbelt weiter unverständliches.
Diesmal mit etwas mehr Nachhall, ich wieder: "EYYYYYYYYYY... Ma eener Polzei rufen, wa?!"
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